Heilpädagogischen Ambulanz

Angegliedert an die DOMUS e.V. Integrations- und Kooperationseinrichtung am Christoph-Rapparini-Bogen 7 in München.

Heilpädagogische Arbeit und heilpädagogisches Wirken

Das erste Wirkende ist das Sein des Erziehers, das Zweite, was er tut und das Dritte erst, was er redet.“

Romano Guardini

Als PädagogInnen sehen wir unsere Aufgabe darin, Kindern, die in ihrer seelischen, geistigen oder körperlichen Entwicklung beeinträchtigt sind, Hilfe anzubieten.

Unsere heilpädagogische Arbeit ist getragen von der grundsätzlichen Wertschätzung des Menschen in seiner Individualität.

Grundlegend ist der Glaube an die, in jedem Menschen angelegten positiven Kräfte, die seine persönliche Entwicklung ermöglichen.
Wir nehmen das Kind in seiner Ganzheit wahr, erkennen seine innere und äußere Erlebniswelt an, erfassen Hintergründe für die Problematik und finden in Zusammenarbeit mit den Eltern und der besuchten Einrichtung einen Lösungsweg.

Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen ist sowohl im Bereich der Kinder unter Drei, als auch im Kindergarten des Hauses sehr hoch. Die nicht nur bei DOMUS e.V. fehlenden Betreuungsplätze spiegeln die Gesamtsituation des Stadtteiles wider.

Obwohl in den vergangenen 10 Jahren eine Vielzahl von Häusern für Kinder, gerade in diesem sehr neuen Stadtteil investiert wurde, können die Bedarfe noch nicht ausreichend gedeckt werden. Das hat zur Folge, dass es wir gerade auch für Kinder mit höherem Förderbedarf zu wenig Integrationsplätze bzw. zu wenig unterstützende Förderung anbieten können.

So ist die Idee entstanden, an die bestehende Einrichtung von DOMUS e.V. mit mittlerweile fünfzehnjähriger Integrationserfahrung in Krippe und Kindergarten, eine heilpädagogische Ambulanz anzugliedern.

Die Konzepterweiterung stellt das Kind mit all seinen Ressourcen im Mittelpunkt. Wir bieten eine ganzheitliche heilpädagogische Begleitung sowie heilpädagogische Förderdiagnostik für Kinder mit umschriebenen Entwicklungsbeeinträchtigungen an.

Unsere system- und lösungsorientierte Arbeit integriert das Bezugsfeld des Kindes, der Familie, aber auch beteiligte Nachbardisziplinen (ÄrztInnen, TherapeutInnen etc.).

Die heilpädagogische Förderung erstreckt sich in der Regel über einen Zeitraum von einem Jahr mit wöchentlich bis zu zwei Behandlungseinheiten. Je nach individuellem Bedarf arbeiten wir mit den Kindern einzeln oder in Kleingruppen.

Neben der Förderdiagnostik sind Methoden, wie heilpädagogischen Übungsbehandlung, Psychomotorik, Wahrnehmungsförderung, Förderung der sozialen Kompetenz und vieles mehr, Inhalte der Fördereinheiten.

Förderdiagnostik

Die vielfältigen Informationen aus Gesprächen mit Eltern, mit Bezugspersonen in der besuchten Einrichtung, Beobachtungen in der Gruppen- oder Einzelsituation, ergeben ein erstes Bild von der Situation und dem inneren und äußeren Erleben des Kindes.

Mit einer Vielfalt von Screeningverfahren ergänzen wir eine von Kinder- und JugendärztInnen oder von einer Kinder- und Jugendpsychiatrischen Praxis erstellten Diagnostik.

Daraus ergibt sich den der Förderplan, der die Ziele, Methoden und den Weg der Förderung umschreibt.

Heilpädagogische Übungsbehandlung

Die heilpädagogische Übungsbehandlung ist eine grundlegende Methode in der Heilpädagogik, die entwicklungsfördernd und unterstützend wirkt. Dabei wird das Spiel als grundlegendes Element des Lernens verstanden.

Das Ziel ist eine möglichst freudvolle Gesamtförderung des Kindes, um es in den Bereichen emotionale, soziale, sensorische und motorische Entwicklung zu unterstützen und um Teilleistungseinschränkungen möglichst früh auszugleichen.

Psychomotorik

Der Begriff „Psychomotorik“ ist entstanden aus der Erfahrung, dass Körper, Geist und Seele eng miteinander verbunden sind. Dr. Ernst „Jonny“ Kiphard, ein Diplom-Sportlehrer, stellte in den 1950er Jahren eine deutlich positive Wirkung seiner Bewegungsangebote auf die emotionale Entwicklung von verhaltensauffälligen Kindern fest. Er entwickelte Bewegungserlebnisse, die diese therapeutische Wirkung unterstützen.

Die Wahrnehmung des eigenen Körpers ist ein Kernelement der Psychomotorik. Denn Lernen, Wahrnehmung und Bewegung sind eng miteinander verbunden.
Die psychomotorische Förderung ist dazu gedacht, das Kind in der Entwicklung seiner Gesamtpersönlichkeit zu unterstützen.
Das heißt, die harmonische Entwicklung körperlicher, geistiger und seelischer Prozesse zu fördern.

Ziele der Psychomotorik ist die Förderung
  • der Grobmotorik,
  • der Feinmotorik,
  • des Gleichgewichtsinns,
  • der Konzentrationsfähigkeit,
  • der Entspannungsfähigkeit,
  • des Reaktionsvermögens,
  • der Ausdauer,
  • des Denkens und Bewegens,
  • und des Sozialverhaltens zu unterstützen und zu begleiten.

Therapeutisches Zaubern®

Das therapeutische Zaubern® nach Annalisa Neumeyer ist ein methodisch fundierter Ansatz, bei dem Zaubertricks gezielt in der pädagogischen und therapeutischen Arbeit mit Kindern eingesetzt werden. Im Zentrum stehen dabei Lern- und Entwicklungsprozesse.

Durch ein lösungsorientiertes Vorgehen erleben Kinder während des Zauberns, dass sie aktiv Einfluss nehmen und Herausforderungen schrittweise bewältigen können. Dies stärkt ihre Selbstwirksamkeit und unterstützt die Entwicklung neuer Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten.

Als therapeutisches Medium eröffnet durch das Zaubern einen niedrigschwelligen Zugang zu Kindern. In einer spielerisch magischen Atmosphäre können Entwicklungsprozesse initiiert und neue Lösungswege erschlossen werden. Dadurch eignet sich das therapeutische Zaubern® für den vielseitigen Einsatz in heilpädagogischen Settings, insbesondere im Bereich der sozial-emotionaler Förderung.

Gerade bei unsicheren Kindern kann die Methode die Entwicklung von Mut und Selbstvertrauen gezielt unterstützen. Durch das Erlernen und Präsentieren von Zaubertricks werden sie darin bestärkt, für sich einzustehen, eigenständig Lösungsstrategien zu entwickeln und ihre Selbstsicherheit auszubauen.

„Die magische Zauberwelt lässt klein und groß gemeinsam Staunen und noch dazu wird unmögliches möglich gemacht. „

Das therapeutische Zaubern® fördert insbesondere:

  • Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit
  • Empathie und Teamfähigkeit
  • Erweitert die Fehlerkompetenz
  • Soziale Interaktionen
  • Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Planungs- und Problemlösefähigkeiten
  • Kreativität und Fantasie
  • Feinmotorik und Koordination

Förderung der Wahrnehmung

Die Wahrnehmungsförderung oder auch Förderung der sensorischen Integration hat die Aufgabe, die Verarbeitung von umweltbedingten Reizen in adäquater Weise zu verarbeiten und für eine planvolles Handeln einzusetzen.

Förderung sozialer Kompetenzen

In Kleingruppen haben die Kinder die Möglichkeit ihre sozialen Kompetenzen zu erfahren und weiter zu üben. Anpassungsfähigkeit, Durchsetzungsvermögen und Konfliktfähigkeit sind wichtige Voraussetzungen für Kinder, sich in Gruppen zurechtzufinden und wohlzufühlen. Die Kinder üben ihre Fertigkeiten in Rollenspielen und gemeinsamen kreativen Aktivitäten, die von der Heilpädagogin einfühlsam und fachlich kompetent begleitet werden.

Wer kommt zu uns?

Jede Familie hat ihre eigenen Herausforderungen. Vielseitige und verschiedenste Aufgaben, die auf Familien zukommen, stellen die Eltern und auch die Kinder oft vor Fragen und Probleme, die nicht immer aus eigener Kraft zu bewältigen sind.

Der Gesetzgeber bietet für Kinder und deren Eltern die Möglichkeit, kostenfrei Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Die heilpädagogische Ambulanz bietet unterstützende Angebote für Kinder im Vorschulalter mit einer wesentlichen Entwicklungsverzögerungen, Wahrnehmungseinschränkungen und einem Förderbedarf im sozial-emotionalen Bereich (z.B. sind das Selbstbild, der Selbstwert und die Selbstregulierung noch nicht ausreichend integriert) sowie Auffälligkeiten in der Motorik oder Problemen im kognitiven und / oder sprachlichen Bereich.

Ein allgemeines Ziel der heilpädagogischen Förderung besteht darin eine drohende Behinderung zu verhüten oder von Behinderung bedrohten Menschen die Teilhabe z.B. am Geschehen des sozialen Umfeldes zu ermöglichen.

Ziel der Eingliederungshilfe ist eine hohe Akzeptanz der individuellen Gegebenheiten. Weiter Ziele sind unter anderem Kommunikationsfähigkeit, Entwicklung eines sichern Selbstbewusstseins, eines Selbstkonzeptes, sowie ein Selbstbild und die Fähigkeit der Selbstregulierung. Die Beherrschung von Konfliktlösungsstrategien, eine angemessene Konzentrationsfähigkeit, differenzierte Wahrnehmungsfähigkeit, und die Regulierung von Nähe und Distanz.

Rechtsgrundlage

Der §53 SGB XII enthält die Rechtsgrundlagen und die Finanzierung über für Krippen- und Kindergartenkinder greift. Die Maßnahme wird nach entsprechender Antragstellung über den Bezirk Oberbayern finanziert. Selbstverständlich können Sie die Förderung auch selbst finanzieren.

Der Bedarf an heilpädagogischer Förderung bzw. Unterstützung wird grundsätzlich über ein fachärztliches oder psychologisches Gutachten unter Berücksichtigung der Bezifferung nach ICD 10, bescheinigt.

Nach der Antragstellung, die in Kooperation mit den Eltern erfolgt, entstehen den Familien keine Kosten.